ALLGEMEIN

MOUNTAINBIKE GUIDE SARDINIEN

Allgemeine Informationen zum Biken auf Sardinien

Bike Guide Sardinien

Aus meinen persönlichen Erfahrungen als Rad- und Mountainbikefahrer, meinem ersten Buch, dem Bike Guide Türkische Riviera / Lykien und vor allem aus zahlreichen Leserrückmeldungen zum ersten Buch, schildere ich hier einige grundlegende Überlegungen zum Mountainbiken und nicht zuletzt zum Buch selbst.
In der Langen Geschichte des MTB-Sports und der damit verbundenen Entwicklung, haben sich zahlreiche Spielarten herauskristallisiert. Nicht alle können immer und überall berücksichtigt werden. Dies ist auch nicht Sinn und zweck eines Mountainbike Guides im allgemeinen.
Lassen Sie mich auf das (hier natürlich interessante / relevante) Thema Fahren nach einem Guide / Buch, eingehen. Insbesondere in jüngerer Zeit haben moderne Technik und Medien (GPS / Tracks / Internet) stark zugenommen und können einen Bike-Guide unterstützen. Aus diesem Grunde gibt es parallel zum Buch, beim
Bergverlag Rother   GPS-Tracks, begleitend zu den jeweiligen Touren (Download).
Um aber Lesern, die über technische Hilfsmittel, wie GPS nicht verfügen oder diese nicht nutzen können oder wollen, nicht von der Nutzung des Mountainbike Guides Sardinien auszuschliessen, sind alle Touren derart gestaltet und beschrieben, dass “ein Durchkommen” auch ohne GPS problemlos von jedem bewerkstelligt werden kann.
Auch was das Leistungsspektrum anbelangt, ist die ausgewogene, breite Streuung hinsichtlich Kondition und technischer Fertigkeit absolut beabsichtigt. Hier mag die ein oder andere “Blaue Tour” dem “Halbprofi” zu kurz oder zu einfach erscheinen; schwächere oder weniger Ambitionierte Fahrer/innen dürfen nicht ausser Acht gelassen werden. Auch diese Gruppe muss geeignete Touren im Guide finden und tut dies auch. Selbstverständlich finden sich natürlich auch knackige Touren ebenso wie lange, km- und Hm-intensive Touren im Buch. Ein ausgewogener Mix ist mir sehr wichtig.
Unabdingbar ist jedoch auch für GPS Nutzer die eingehende Lektüre des Guides, denn was Track + Wegpunkte nicht zu vermitteln vermögen, kann der Guide: Adjektive und Bilder geben eine klare Vorstellung von dem was einen bei der ein oder anderen Tour erwarten wird.

Die zusätzlich beschriebenen Tourenkombinationen und Varianten bieten sowohl dem, “der mehr möchte”, wie auch dem, “der weniger möchte” die Möglichkeit sich individuell zu betätigen.
Nicht zuletzt darf ich den Rahmen des Guides anreissen; es wurde nicht versucht partout die wildesten, längsten und höchsten Touren zu finden, vielmehr wurde versucht, bei den beschriebenen Touren allen Aspekten, die das Bergradeln ausmachen, Rechnung zu tragen. Land, Leute, Natur und Kultur kommen nicht zu kurz und es werden SehenswĂĽrdigkeiten, Naturschauspiele und kulturelle und kulinarische Aspekte beschrieben. Urlaub, Sport und Genuss und das mit allen Sinnen er-fahren .......                          schliesslich ist “der Weg das Ziel” !

AUS DEM NĂ„HKĂ„STCHEN


Wie auch schon in der Homepage zum Bike Guide Türkei , so gibt es auch in dieser Homepage eine kleine Anekdote zum Thema “unangenehme aber lehrreich Erfahrungen” .....

Ein herrlicher Morgen in Teulada, der kleinen Stadt westlich von Cagliari, der Hauptstadt der Insel Sardinien.
Eine gut vorrecherchierte Tour (Tour 29) steht zum “Auffahren” auf dem Programm. Ich mache mich mit meinem (damals) Renault Espace auf den Weg zum geplanten Startpunkt, nahe bei Pula. Der Punkt stellt sich als gut gelegen und leicht zu finden heraus und so treffe ich die Vorbereitungen zur Abfahrt.

In sanfter Steigung rolle ich auf das Gebirge zu und geniesse die warme Witterung. Kaum am Berg beginnt die Piste steiler zu steigen, als dies zu erwarten war. Die Rampe zehrt zunehmend an den Kräften und der Schweiss beginnt unaufhörlich zu fliessen; die feuchte Witterung tut nun ein Übriges. Dass ein Gutteil der subjektiv empfundenen Qualen dieser Auffahrt auf die hohe Luftfeuchtigkeit zurückzuführen war wurde mir natürlich erst später klar......
Zunächst unbemerkt braut sich im Laufe der Auffahrt ein Gewitter zusammen, das ohne eingehendes Studium des Wetterberichtes so nicht zu erwarten gewesen ist; erst auf dem Meer in vermeintlich weiter Ferne; dann an benachbarten Bergen im Osten.

Die Rampe der Piste selbst lässt nur zwischendurch verschnaufen und steigt weiter unbarmherzig an.
Dann passiert es: Regen setzt ein und ich denke diesen evtl. abwarten zu können, klingen die Schauer doch hin und wieder auch schnell ab. Doch schon wie die Steigung, so lässt auch der Regen nicht nach; im Gegenteil, es wird immer heftiger.

Nun ist es nicht so, dass ich keine geeignete Ausrüstung dabei hätte, nur war ich zu gutgläubig was die Wetterentwicklung angeht oder schlicht zu faul diese sofort anzuziehen. Aber es musste sein; die Regenklamotten auspacken und anziehen -eigentlich eh schon egal ?-

Im Grunde wäre hier ein Abbruch der Recherche schon zu überlegen gewesen, doch wollte ich den Tag und die schon erstampelten Höhenmeter nicht verlieren; auch hoffte ich damals auf eine Besserung, da ja Gewitter i.d. Regel ebenso schnell gehen, wies sie kommen.

Der Gedanke war so falsch nicht, und nach einiger Zeit besserte sich die Wetterlage. Ich setze meine Auffahrt fort. Unerbittlich steigt die Piste und es geht vorbei an einer unscheinbaren Hütte, die später noch eine wichtige Rolle spielen würde, was mir aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst sein konnte. Endlich lässt die Steigung nach und eine Abzweigung an einer Lichtung zwingt zum Pausieren, um sich orientieren zu können. Da fängt es abermals an zu Gewittern und zu regnen. Eine weitere kleine Hütte bietet im hinteren Bereich Schutz. Das Bike bleibt weit weg, denn nun beginnt der unangenehmste Teil all meiner Sardinientouren:

Ein sehr, sehr heftiges Gewitter; es gab bisher kaum etwas wovor ich irgendwie Angst gehabt hätte aber das war nun unbeschreiblich:
Im Minutentakt schlagen Blitze in meiner allernächsten Nähe ein, Blitzschlag und Donner sind absolut Zeitgleich, d.h. die Entfernung ist praktisch Null.... Das gleißende Licht und der infernalische Lärm lassen mich erschaudern. Und anstatt, dass sich das Spektakel verzieht oder vermindert, geht es über eine gefühlte halbe Ewigkeit unverändert weiter. Zwischenzeitlich schalte ich das Mobiltelefon ab und lege es entfernt von mir ab; wer weiss; sicher ist sicher. Das GPS hat sich schon “von alleine verabschiedet”. Eine Art Regencape eines Hirten, das ich finde, schützt mich vor der nun einsetzenden Kälte, denn, da ich beim ersten Schauer die Regenkleidung zu spät angezogen hatte, bin ich ja auch unter der Kleidung nass. Das Gewitter will und will nicht abziehen, noch will es nachlassen; weiterhin schlagen Blitze um mich herum ein. Die Zeit scheint still zu stehen; allerlei Gedanken schiessen mir durch den Kopf -wäre schon peinlich, wenn ich für eine dümmliche Schlagzeile herhalten müsste- Ein weiterer Blick in die IGM Karte offenbart dann auch einen Grund für das Malheur: Dass ich auf der ersten Bergkette zum Meer hin bin, ist mir klar und auch, dass wenn anlandige, feuchte Winde kommen, es so kommen musste wie es kam; dass ich aber nur unwesentlich unterhalb des Gipfels, also dem in nächster und mittlerer Entfernung höchstem Punkt war, wurde mir nun erst klar: Eigentlich eine grosse Dummheit, die mir da passiert ist.
Logisch, dass es den Blitzen um mich herum “besonders gute gefällt”

Nach einer gefühlten, halben Ewigkeit, lässt das Gewitter endlich nach. Als ich mir sicher bin, dass nun definitiv Schluss ist, mit dem Zauber (Zumindest mit den Blitzeinschlägen), begebe ich mich zu meinem Rad und breche ab; d.h. ich fahre retour die steile Piste hinab, wie ich gekommen war. Die rasante Abfahrt führt mich an der Hütte vorbei, der ich bei der Auffahrt keine Beachtung geschenkt hatte -”da steigt doch Rauch auf, am Kamin”?!- Ich beschliesse die Hütte näher zu inspizieren und siehe da, ein Hirte ist im Gebäude. Er bitte mich, als er mich sieht, herein und setzt mich sofort an seine Feuerstelle. Meine wenigen Brocken Italienisch genügen zu einer netten, kleinen “Konversation” und so erkläre ich warum ich hier bin und was ich vorhabe, wie auch der Gute Mann mir seinen Job erklärt und dass er praktisch das ganze Jahr hier oben sei. Kaum zu glauben, denn die Behausung entspricht so gar nicht dem, was sich der gemeine Mitteleuropäer unter einer Bleibe vorstellen würde.... Trotz unserer Sprachbarriere ergibt sich ein netter Gedankenaustausch und die Zeit vergeht. Draussen regnet es noch aber das Gewitter ist vorbei. Es wird immer gemütlicher, denn mein Gastgeber beginnt Kaffe zu kochen, den ich natürlich nicht ausschlage. Ebensowenig lehne ich ab, als es selbstgeräucherten Schinken, Rotwein und schliesslich Grappa gibt; die Gewittertour wendet sich nun doch noch zum Guten für mich. Die Zeit verstreicht wie im Flug, doch leider muss ich an `s Aufbrechen denken, denn ganz unabhängig von meiner weiteren Richtung, brauch ich in jedem Falle noch 1 - 2 Stunden um zurück ins Tal zu gelangen.

Kaum im Sattel packt mich aber der Ehrgeiz und ich fahre wieder bergan, denn bis zum Kulminationspunkt, dem “Ort der 1000 Blitze” sind es ja nur wenige hundert Höhenmeter. Es regnet nur noch sehr verhalten und durch die Wolken blitzen nun wieder erste Sonnenstrahlen. Ein Blitzen, das mir deutlich angenehmer ist..... Die Landschaft ist herrlich und die Luft ist frisch. Ein Regenbogen lässt nicht auf sich warten und der Ausblick vom Hochpunkt der Tour in das weite Land und auf die Küste ist beeindruckend, zumal bei dieser Wolkenstimmung.

Nun scheint es nicht nur so, nein, es ist geschafft! Die verbleibenden km dieser Toure leiten in stetigem, angenehmen Gefälle auf traumhafter Piste hinab; die Tour geht auf! Permanentes Abrollen und das nach diesen, heftigen Stunden. Zugegeben, klug wäre es sicher gewesen, beim ersten Regenschauer abzubrechen aber diese Erfahrung zeigt, dass man nie weiss, was am Ende wofür gut ist; und alles nahm ja schliesslich ein gutes Ende.

In diesem Sinne: Wer möchte kann am km 10,2 ja eine Gedenkminute für mich einlegen...........

Euer

W. Eichhorn